Der Krötentunnel

Eigentlich wollte ich über die neue Omikron-Variante schreiben, die in Tirol ihre Premiere gefeiert hat. Doch die Pandemie scheint vorbei zu sein. Was wir jetzt erleben, sind nur mehr die schwachen Ausläufer einer Sommergrippe. Deshalb widme ich mich heute dem Umweltschutz. Ich bin Aktivist, ich ärgere gerne die Grünen. Als Sozialdemokrat darf ich das. Ich bin mit der eigenen Partei schon gestraft genug. Die Grünen sind in manchen Dingen so herrlich naiv, dass es schon wieder erfrischend ist. Manchmal sind sie von der Lebensrealität so weit entfernt, wie Österreich von einer Durchimpfung. Ich zweifle nicht an deren guten Absichten, mich erheitert nur der missionarische Eifer, mit dem sie ans Werk gehen. Vor allem diese Greta. Die Säulenheilige der Klimaaktivisten. Deshalb darf man sie auch nicht kritisieren. Da ist sofort der Teufel los. Oft genügt es schon, wenn sie einem egal ist. Dann ist man sofort ein Boomer, ein Sexist oder eine Umweltsau. Beim UN-Klimagipfel hat sie mich angesehen und ins Mikrofon gebrüllt: „Wie konntest du nur? Du hast meine Träume gestohlen und meine Kindheit.“ Ich habe ihr gar nichts gestohlen. Das wüsste ich doch. Aber anstatt zur Schule zu gehen, zieht sie von Demo zu Demo, wie ein Groupie hinter den Rolling Stones auf Welttournee. Also ich glaube nicht an den Klimawandel. Sie doch auch nicht, oder? Einmal ist es zu trocken, dann wieder zu nass….Diese ewige Jammerei. Dabei ist das alles nur ein Trick der Industrie, um uns noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. Ich nenne ihnen ein paar Beispiele, damit sie sehen, dass ich recht habe. Zuerst kam das Hochwasser. Und zack, schon hatten sich die Preise für Schlauchboote über Nacht verdoppelt. Danach hat es in halb Europa gebrannt. Plötzlich musste man für einen Feuerlöscher einen Kredit aufnehmen. Und jetzt passen sie gut auf: Sobald die Produktion von Palmöl reduziert wird, steigt der Preis für Nutella. Und zwar täglich. Sie können sich jetzt wieder beruhigen. Was sie eben gelesen haben, war Satire. Zum Teil.

Ich denke regional, also breche ich meinen Beitrag auf die Tiroler Grünen herab, die im Heiligen Land Tirol sehr wichtig sind. Für die ÖVP. Als Mehrheitsbeschaffer seit 2013. Die nächste Landtagswahl findet 2023 statt und man muss kein Prophet sein, um zu erahnen, dass die Koalition fortgesetzt werden wird. Landhauptmann Platter versteht sich nämlich gut mit seiner grünen Stellvertreterin Ingrid Felipe. Sehr gut sogar. Ich weiß nicht, ob das in der Politik so üblich ist, aber andererseits ist es auch nicht weiter verwunderlich bei zwei stramm konservativen Parteien. Falls sie sich jetzt wundern sollten: Die Grünen waren nie links. Die sind immer nur links, wenn es dem Mainstream entspricht oder sich eine Koalition mit den Roten ausgeht. Männer in Holzfällerhemden und Frauen im veganen Zweiteiler aus Hanf können nicht links sein. Echte Linke kleiden sich nicht so. Und Kommunistinnen schon gar nicht. Ich habe junge Frauen in Moskau gesehen, also da würden sie…..Ich weiß nicht, wie sich Elke Kahr anziehen wird, aber die sitzt garantiert nicht im Jutesack im Rathaus und löffelt linksdrehenden Joghurt. Die trinkt Wodka, wie es sich für Linke gehört. Und bremst auch nicht für Igel. Ich rege mich schon wieder auf. Das ist nicht gut. Kommen wir daher zum Licht am Ende eines Tunnels. Des längsten Krötentunnels der Welt. Des Brennerbasistunnels. Der organisierten Geldvernichtung in vielfacher Milliardenhöhe. Wenn drei Staaten an einem Projekt beteiligt sind, dann kann man die Pläne auch gleich shreddern. Wie ein Bild von Bansky. Falls ihnen der Name Ingrid Felipe nicht so geläufig sein sollte: Das ist jene Ex-Bundessprecherin, die die Grünen 2017 aus dem Parlament geführt hat. In Tirol ist sie seit 2013 im Amt, tritt wöchentlich vor die Kamera und sagt: „Unser oberstes Ziel muss es sein, den Lkw-Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern.“ Und dann lächelt sie. Wissend, dass die wenigsten von uns das noch erleben werden. Seit 2006 wird bei uns ein Loch in den Berg gebohrt. Die Eröffnung des Tunnels ist für 2032 geplant. Am Anfang ging es recht zügig voran, doch dann kam härteres Gestein, dann tropfte es von der Decke, danach zerstritten sich die Vorstände und dann war auch schon Wochenende. Also vor 2040 wird das nichts. In Bayern gibt es noch nicht einmal Pläne für die notwendigen Zulaufstrecken. Die Deutschen haben mit dem Projekt wenig am Hut, zeigen aber Verständnis für das Tiroler Anliegen. „Der Lkw muss von der Straße auf die Schiene, solange die Bahn nicht bei uns vorbeifährt.“ Wo sind die Tiroler Schützen, wenn man sie braucht? Vielleicht wird eines Tages ein Tunnel von München bis Verona gegraben. Aber nicht vor 2060. Günther Platter und ich werden das nicht mehr erleben.

Aber der Super-GAU könnte schon vorher eintreten. Stellen sie sich vor, im Jahr 2048 wird ein seltener Grottenolm im Tunnel entdeckt. Der Bauarbeiter kann seinen Mund nicht halten und in Windeseile verbreitet sich die frohe Kunde bis ins Landhaus. Ingrid Felipe, noch immer im Amt, inzwischen leicht dement und zwischen Ökologie und Ökonomie schwankend, wird sich mit einem Lastenfahrrad, einem sogenannten Eisenschwein, zum Tunnel chauffieren lassen. Schon von Weitem sieht sie die Mitglieder einer eilends gegründeten Bürgerinitiative mit riesigen Transparenten. „Rettet den Brenner-Olm“. Daneben improvisiert der Alpenverein eine Kranzniederlegung für alle beim Tunnelbau verstorbenen Olme und die Baumaschinen sind unbrauchbar geworden, weil sich an jede Einzelne ein Aktivist von Global 2000 gekettet hat. Was nun? Tunnel oder Schwanzlurch? Felipe wird den Olm inspizieren, ihm einen Namen geben, wahrscheinlich Olmi, anschließend die Bauarbeiten für beendet erklären und das Loch versiegeln lassen. Danach wird sie zum ORF-Landesstudio kutschiert und nach einem Schminkmarathon zur ZIB2 zugeschaltet. Armin Wolf, er ist immer noch Moderator, wird die alles entscheidende Frage stellen. „Frau Landeshauptmann-Stellvertreterin, sie haben wegen eines Grottenolms die Bauarbeiten am Brennerbasistunnel einstellen lassen. Hätte es da nicht auch eine andere Lösung gegeben?“ Und Felipe wird antworten: „Die Behörden haben alles richtig gemacht.“ Im Jahr 2058, Platter, Wolf und ich sind mittlerweile verstorben, wird Ingrid Felipe, bereits mit einer starken Demenz gesegnet, in einer Seniorenresidenz ihren Lebensabend genießen. Vor allem aber die Ruhe, da mittlerweile alle Lkw mit Strom, Wasserstoff oder Buttermilch betrieben werden. Anlässlich ihres 80. Geburtstags wird der ORF einen Volontär schicken, damit sie vor einem breiten Publikum ein Resümee über ihr politisches Leben ziehen kann. „Unser oberstes Ziel muss es sein, den Lkw-Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern“, wird sie sagen, während man im Hintergrund Lastendrohnen über die Nordkette fliegen sieht.

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Kommentare

Das Korbstudio
Vor 3 Monate

Anne H. ist bildhübsch.

Vilma Liberté
Vor 4 Monate

Da erkenne ich mich ! 😁

Rainer Meyerhofer
Vor 4 Monate

😅👏👏

Edith Weissl
Vor 4 Monate

😂😂😂😂👍 großartig

Manfred Car
Vor 4 Monate

Vor der Schlinge fehlt aber noch ein Punkt:
Stufe 11: Ich sehe einen Heimatfilm mit Hansi Hinterseer UND ER GEFÄLLT MIR! %-)

Walter Resch
Vor 4 Monate

Grüß Sie , Herr Autor

Edith Weissl
Vor 4 Monate

Ich fühle bei einigen Punkten mit dir 😂👍👏👏