Früher war alles besser

 

Ich hasse Werbung. Doch das war nicht immer so. Früher, in den 60er-, 70er- oder 80er-Jahren, hatte Werbung noch Stil und Aussagekraft. Und sie war immer ehrlich, schon vom Ansatz her. Glauben sie nicht? Ich nenne ihnen mal ein paar Beispiele.

Kein Mann trug früher enge, tangaähnliche Unterhosen, wo sich der Zwickel nach wenigen Stunden zwischen die Arschbacken sägt. Damals konnte man mit einer Unterhose ein ganzes Fahrrad putzen. Heute reicht es gerade mal für die Klingel. Der Mann von Welt trug Schiesser-Doppelripp, Model Eros, aus ägyptischen, feinst gekämmten Makogarnen. Mit 2 Jahren Garantie. 2 Jahre! So was gibt es heute nicht mehr. Mittlerweile ist der Tropfenfänger zum Wegwerfartikel verkommen. Bloß weil die Hose nicht mehr richtig weiß wird, landet sie am Sperrmüll oder wird bei heiklen Fällen als Sondermüll entsorgt.

Damals wusste man, was zu tun war, wenn die Unterhose Rost angesetzt hatte. Da stand ruckzuck Klementine mit einer mannshohen Trommel Ariel in der Tür und erklärte uns den Unterschied zwischen sauber und rein. Hausarbeit war schon damals ein Privileg der Frauen. Und wenn die Damen nach der Plackerei müde und ausgelaugt waren, gingen sie ins Nagelstudio, um sich ein wenig verwöhnen zu lassen. Und dort erwartete sie schon Tilly, die ein wenig aussah wie Margot Honecker und eine Frisur aus Dämmwolle trug. Ohne viele Worte wurden die Finger der Kundinnen in eine Schale mit grüner Flüssigkeit getaucht und gleichzeitig darüber aufgeklärt, dass es sich bei dieser Brühe um Geschirrspülmittel der Marke Palmolive handelt. So war das damals, da wurde nicht lange an Ratten und Mäusen getestet, sondern gleich am Verbraucher. Das waren gute Zeiten. 

Auf Körperpflege wurde größter Wert gelegt. Der Banner Deo Roller sorgte für Sicherheit im Alltag. Allerdings standen die Achselhaare weg, als ob sie mit 3-Wetter-Taft behandelt worden wären. Die Achsel des Bösen. Frauen, die ihre Brüste straffen wollten, griffen zu Creme 21 und ließen an ihre Haut nur Wasser und CD. Im Urlaub fuhr man nach Italien und legte sich gemeinsam mit 100.000 anderen an den Strand von Jesolo, wo aber Sonnenbrand kein Thema war. Denn gegen Tschamba Fii, gewonnen aus den Ausscheidungen indonesischer Reisbauern, hatte der Hautkrebs keine Chance. Und nach der Rasur trugen richtige Männer Pitralon auf, das auch zum Abbeizen von alten Möbeln verwendet werden konnte. Ich weiß, wovon ich spreche. Ich bin in den 60er- und 70-Jahren aufgewachsen, und fast alle aus meiner Generation leben noch, weil es damals keine kranken Kinder gab. Uns wurde täglich ein Liter Sanostol verabreicht. Zum Zahnarzt ging man höchstens alle zehn Jahre, denn alte Plomben wurden mit Bazooka Bubble Gum entfernt. Durchfall war so gut wie unbekannt. Falls er dennoch eintraf, wurde das Leck mit Darmol abgedichtet oder man hat einfach nicht gehustet. Und ertrunken ist auch keiner, weil man uns am Badeteich in den Schwimm-Kerl gezwungen hat. Endlich unsinkbar, hieß es damals. 

Sie sehen den Unterschied? Produktwahrheit stand an erster Stelle, da wurden Werbeversprechungen auf Punkt und Komma eingehalten. Haarausfall war gottgegeben, da gab es nichts dagegen. Die Haare gingen, die Hämorrhoiden kamen. Das war der Kreislauf der Natur. Doch heute verspricht uns dieser Drecksack Dr. Klenk Doping für die Haare. Mein Gott, wie sehr vermisse ich diese Zeit.

Aus dem Buch "Der schwarze Kakadu".

 

 

                                                                                                                                                                                                            

Kommentar hinzufügen

Kommentare

Moriggl Bruno
Vor 16 Stunden

EDEL!!!!! genau so wars😂

August Strindberg
Vor einem Tag

Ich habe bei XXXLutz unter anderem wegen dieser irren Werbung nichts gekauft. Die hat mir das Unternehmen so unsympathisch gemacht, dass ich da nie wieder einen Fuß hineingesetzt habe.
Außerdem war das mit ein Grund, warum ich es wunderbar finde, seit 18 Jahren (!) keinen Fernseher zu haben.

Christoph Brenner
Vor 2 Tage

GROSSARTIG !!!
Nur so weiter !
Lachen ist gesund 😀

Georg Karp
Vor 16 Tage

Frau Elli wird zur politischen Witzfigur. Echt gut. Sollte im Rabenhof auftreten. Natürlich geschminkt.

Wolfgang Lehmann
Vor einem Monat

Wirklich gut geschrieben - eine richtige Anekdote. Mir gefällt der Stiel wirklich gut!

Edith Weissl
Vor einem Monat

Sehr sehr amüsant 😂

Walter Tesch
Vor einem Monat

Ich habe mich köstlich amüsiert

Das Korbstudio
Vor 5 Monate

Anne H. ist bildhübsch.

Vilma Liberté
Vor 5 Monate

Da erkenne ich mich ! 😁

Rainer Meyerhofer
Vor 5 Monate

😅👏👏